DGUV Checkliste bei Alleinarbeit: Wird Ihr Mitarbeiter im Notfall rechtzeitig gefunden?
Alleinarbeit gehört in vielen Unternehmen zum Alltag. Ob in Produktionsbereichen, Wasserwerken, Kläranlagen, Krankenhäusern, Logistikzentren oder im technischen Service: Beschäftigte arbeiten häufig außerhalb von Ruf- und Sichtweite anderer Personen.
Die entscheidende Frage lautet dabei nicht, ob ein Notfall eintreten kann. Die entscheidende Frage lautet:
Wird der betroffene Mitarbeiter im Ernstfall rechtzeitig gefunden und erhält er schnell Hilfe?
Genau hier setzen die Anforderungen der DGUV an. Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung müssen Unternehmen geeignete organisatorische und technische Maßnahmen festlegen, damit bei gefährlicher Alleinarbeit Notfälle erkannt und notwendige Hilfsmaßnahmen unverzüglich eingeleitet werden können.
Die folgende DGUV Checkliste für Alleinarbeit hilft Ihnen bei einer ersten Einschätzung.
Warum die Rettungskette wichtiger ist als die Alarmtaste
Viele Unternehmen konzentrieren sich zunächst auf die Auswahl eines Personen-Notsignal-Geräts (PNG). In der Praxis entscheidet jedoch die gesamte Rettungskette über den Erfolg einer Rettungsmaßnahme.
Ein Notruf allein reicht nicht aus, wenn:
- niemand den Alarm bemerkt,
- der Aufenthaltsort unbekannt ist,
- keine Eskalationsprozesse definiert wurden,
- Rettungskräfte lange nach der betroffenen Person suchen müssen.
Eine wirksame Lösung muss sämtliche Schritte vom Notfall bis zur Hilfeleistung unterstützen.
Notfall → Alarm → Standort → Alarmbearbeitung → Hilfeleistung → Rettung
DGUV Checkliste Alleinarbeit
1. Liegt eine Gefährdungsbeurteilung vor?
Der erste Schritt besteht immer darin, die Risiken der jeweiligen Tätigkeit zu bewerten.
Prüfen Sie:
✅ Sind die Gefährdungen dokumentiert?
✅ Wurde bewertet, ob Alleinarbeit zulässig ist?
✅ Sind mögliche Notfallszenarien bekannt?
✅ Wurden notwendige Reaktionszeiten definiert?
Typische Gefährdungen sind:
- Absturzrisiken
- Arbeiten an technischen Anlagen
- Gefahrstoffe
- elektrische Gefährdungen
- Arbeiten in Schächten oder Kellern
- Überfall- oder Gewaltgefährdungen
- medizinische Notfälle
2. Können Sie allein arbeitende Personen jederzeit lokalisieren?
Im Notfall zählt jede Minute.
Ein Alarm hilft nur dann, wenn Einsatzkräfte den betroffenen Mitarbeiter schnell finden können.
Fragen Sie sich:
✅ Ist bekannt, in welchem Gebäudebereich sich die Person befindet?
✅ Kann der Standort auch in Kellern oder technischen Anlagen bestimmt werden?
✅ Sind mehrere Gebäude oder Etagen eindeutig unterscheidbar?
✅ Können Ersthelfer direkt zum Einsatzort geführt werden?
Gerade in Industrieanlagen, Krankenhäusern, Wasserwerken oder Kläranlagen stoßen reine GPS-Lösungen häufig an ihre Grenzen.
Moderne Indoor-Ortung unterstützt die Rettungskette
Die LIV PNA kombiniert je nach Projektanforderung verschiedene Ortungstechnologien wie:
- WLAN-Ortung
- Bluetooth Low Energy (BLE)
- GPS
- NFC
Dadurch können Indoor- und Outdoor-Bereiche innerhalb einer gemeinsamen Lösung berücksichtigt werden.
3. Wird ein Notfall automatisch erkannt?
Bei vielen Ereignissen ist die betroffene Person nicht mehr in der Lage, selbst Hilfe anzufordern.
Daher sollte geprüft werden:
✅ Gibt es eine manuelle SOS-Funktion?
✅ Werden kritische Situationen automatisch erkannt?
✅ Ist eine Alarmierung auch bei Bewusstlosigkeit möglich?
Typische Alarmarten sind:
- Lagealarm
- Ruhealarm
- Zeitalarm
- Fluchtalarm
- manuelle Notrufauslösung
Automatische Alarmfunktionen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Notfälle auch dann erkannt werden, wenn keine aktive Alarmierung mehr möglich ist.
4. Wer empfängt den Alarm?
Ein wichtiger Bestandteil jeder Personen-Notsignal-Anlage ist die Alarmorganisation.
Prüfen Sie:
✅ Ist festgelegt, wer Alarme entgegennimmt?
✅ Sind Vertretungsregelungen vorhanden?
✅ Werden Alarme auch außerhalb regulärer Arbeitszeiten bearbeitet?
✅ Gibt es definierte Eskalationsstufen?
Ein Alarm darf nicht unbeachtet bleiben.
Leitstellenaufschaltung als organisatorische Absicherung
Je nach Einsatzszenario kann eine Anbindung an eine Notruf- und Serviceleitstelle (NSL) sinnvoll sein.
Dadurch können Alarme rund um die Uhr überwacht und nach vorgegebenen Eskalationsprozessen bearbeitet werden.
5. Ist die Rettungskette vollständig definiert?
Viele Unternehmen verfügen bereits über Alarmierungssysteme.
Entscheidend ist jedoch die Frage, ob die gesamte Rettungskette organisiert wurde.
Die wesentlichen Schritte
- Notfall erkennen
- Alarm auslösen
- Alarm empfangen
- Standort bestimmen
- Hilfskräfte informieren
- Einsatzort erreichen
- Rettungsmaßnahmen einleiten
Fehlt nur einer dieser Schritte, können wertvolle Minuten verloren gehen.
6. Werden Alarme dokumentiert?
Dokumentation schafft Transparenz und unterstützt die kontinuierliche Verbesserung der Prozesse.
Prüfen Sie:
✅ Werden Alarme gespeichert?
✅ Sind Reaktionszeiten nachvollziehbar?
✅ Werden Eskalationen dokumentiert?
✅ Können Ereignisse später ausgewertet werden?
Eine strukturierte Alarmdokumentation unterstützt nicht nur interne Prozesse, sondern liefert auch nachvollziehbare Nachweise für Audits und Untersuchungen.
7. Sind Mitarbeiter ausreichend unterwiesen?
Technik allein schützt keine Menschen.
Prüfen Sie:
✅ Wurden Mitarbeitende unterwiesen?
✅ Finden regelmäßige Alarmübungen statt?
✅ Sind Verantwortlichkeiten bekannt?
✅ Werden Geräte regelmäßig geprüft?
Nur wenn Technik, Prozesse und Menschen zusammenspielen, kann eine Rettungskette zuverlässig funktionieren.
Praxisbeispiel
Alleinarbeit in einer Kläranlage
Ein Instandhalter führt Kontrollarbeiten auf dem Gelände einer Kläranlage durch. Während einer Tätigkeit in einem abgelegenen Gebäudebereich kommt es zu einem medizinischen Notfall.
Ohne Lokalisierung müssen Kollegen zunächst den Aufenthaltsort ermitteln.
Mit einer Personen-Notsignal-Anlage können:
- automatische Alarme ausgelöst werden,
- der letzte bekannte Standort angezeigt werden,
- zuständige Personen informiert werden,
- Rettungskräfte gezielt zum Einsatzort geführt werden.
Die Zeit bis zur Hilfeleistung kann dadurch deutlich reduziert werden.
Zusätzlich muss bedacht werden wie die Rettungskräfte den Unfallort erreichen können. Gibt es einen Schlüsselkasten, liegen Laufpläne vor und wurden Übungen mit den Rettungskräften durchgeführt.
Fazit
Eine DGUV-konforme Organisation von Alleinarbeit umfasst deutlich mehr als die Bereitstellung eines Personen-Notsignal-Geräts.
Unternehmen sollten sicherstellen, dass:
- Risiken bewertet wurden,
- Notfälle automatisch erkannt werden,
- Mitarbeitende lokalisiert werden können,
- Alarme zuverlässig bearbeitet werden,
- die gesamte Rettungskette definiert ist.
Die LIV PNA unterstützt Unternehmen dabei mit einer Kombination aus Personen-Notsignal-Anlage, Indoor- und Outdoor-Ortung, Alarmmanagement, Leitstellenanbindung und nachvollziehbarer Alarmdokumentation.
So entsteht aus einem Alarm eine funktionierende Rettungskette.
F.A.Q.
Was ist gefährliche Alleinarbeit?
Von gefährlicher Alleinarbeit spricht man, wenn Beschäftigte allein arbeiten und bei einem Notfall nicht unmittelbar Hilfe erhalten können. Die Bewertung erfolgt im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung.
Reicht ein Mobiltelefon als Schutz für Alleinarbeitende aus?
Ein Mobiltelefon erkennt keine Notfälle automatisch und ersetzt keine Personen-Notsignal-Anlage. Ob zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung.
Warum ist Indoor-Ortung bei Alleinarbeit wichtig?
In Gebäuden, Kellern oder technischen Anlagen reicht GPS häufig nicht aus. Indoor-Ortung unterstützt die schnelle Lokalisierung und verkürzt Suchzeiten im Notfall.
Wann ist eine Leitstellenaufschaltung sinnvoll?
Wenn Alarme jederzeit zuverlässig bearbeitet werden müssen oder keine permanente interne Besetzung vorhanden ist, kann eine Anbindung an eine Notruf- und Serviceleitstelle sinnvoll sein.
Welche Vorteile bietet die LIV PNA?
Die LIV PNA kombiniert Personen-Notsignal-Anlage, automatische Alarmierung, Indoor- und Outdoor-Ortung, Leitstellenanbindung sowie Alarmdokumentation in einer integrierten Lösung.
Prüfen Sie Ihre Rettungskette
Sie möchten wissen, ob Ihre Organisation die Anforderungen an sicheren Alleinarbeiterschutz erfüllt?
Lassen Sie sich von den Experten der LIV tec beraten. Gemeinsam analysieren wir Ihre Arbeitsbereiche, Gefährdungen und Rettungsprozesse und zeigen Ihnen passende Lösungen für eine sichere und nachvollziehbare Alarmierung und Lokalisierung auf.
Quellen
Weitere Informationen
Autor:
LIV tec GmbH – Fachbereich Personen-Notsignal-Anlagen
info@liv-tec.de
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